Genetik

Nun, einfach ist in der Vererbungslehre eigentlich ( beinahe ) alles - wenn man das Prinzip erst einmal verstanden hat. Das hier soll ein einfacher Leitfaden sein, es soll Ihnen in kurzen verständlichen Worten und Bildern erklären, warum zum Beispiel zwei getigerte Katzen plötzlich einfarbig schwarze Babys bekommen können und warum eine völlig weiße Katze eigentlich eine rote Katze sein kann. Dazu müssen Sie aber ein wenig über die Grundbegriffe der Vererbungslehre wissen, wie Zellen entstehen und wie das Prinzip der Fortpflanzung funktioniert.

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Grundwissen : Genetik - alles andere als einfach ?
> Wirkung von Genen
> Gen-Abkürzungen und ihre Bedeutungen
> warum auch einfarbige Katzen eigentlich Tabbys ( getigert ) sind

Seite 2
>black - chocolate - lilac
> Siamzeichnung
> von black zu blue - das Verdünnungs-Gen
> Silber - das Inhibitor-Gen
> Kurzhaar & Langhaar
> geschlechtsgebundene Vererbung
> Weißscheckung
> warum eine weiße Katze eigentlich gar nicht weiß ist

Grundwissen : Genetik - alles andere als einfach ?

Zunächst sollten Sie etwas über die Art und Weise erfahren, wie sich Eigenschaften von den Eltern zu deren Nachkommen vererben.
Jede Körperzelle enthält eine gewisse Anzahl an Chromosomen , und in diesen Chromosomen liegen wie an einer Perlenschnur aufgereiht die Gene. Die Gene enthalten alle Erbinformationen eines Lebewesens, wie die Körpergröße, die Fellbeschaffenheit und Farbe und vieles mehr.

Katzen besitzen 38 Chromosomen. Damit die Fortpflanzung möglich wird, muß diese Chromosomenzahl in den Keimzellen ( Spermien & Eizelle) halbiert werden, denn sonst würden Individuen mit ständig steigenden Chromosomenzahlen entstehen. Diesen einfachen Chromosomensatz ( 19 ) in den Keimzellen nennt man grundlegend oder haploid, den kompletten Chromosomensatz der Katze ( 38 ) nennt man diploid.

Es gibt 2 Arten der Zellteilung - die Mitose und die Meiose.
Die Mitose dient der Erschaffung gleichartiger Zellen beim Wachstum und dem Erneuern von beschädigten oder abgestorbenen Gewebe. Dabei löst sich die Zellwand auf und die Chromosomen legen sich in eine Reihe nebeneinander (2). Durch den Prozeß der Selbstkopierung bilden sie exakte Kopien von sich selbst (3), eine zweite Reihe von Chromosomen entsteht. Die beiden Reihen wandern auseinander, um jede Reihe bildet sich eine neue Zellwand (4). Somit sind zwei neue Zellen mit jeweils 38 Chromosomen aus der ursprünglichen Zelle entstanden (5).

Vorgang der Mitose

Die Meiose dient dem Erschaffen der Keimzellen und somit der Halbierung des Chromosomensatzes. Wie bei der Mitose löst sich zunächst die Zellwand auf und die Chromosomen ordnen sich zu einer Reihe. Doch diesmal legen sich immer zwei in Form und Größe gleichartige Chromosomen nebeneinander (2). Jetzt kann man erkennen, daß es sich tatsächlich um 19 Chromosomenpaare handelt. Auch hier trennen sich die beiden Reihen voneinander und es bildet sich um jede eine neue Zellwand (3). Die beiden neuen Zellen haben nun jeweils den einfachen, also haploiden Chromosomensatz (4). Diese Zellen durchlaufen nun den Vorgang der Mitose und bilden gleichartige (Keim-)Zellen (5).

Vorgang der Maiose

Unter den gleichartigen Chromosomen gibt es eine Anomalie, die nur auf das männliche Tier beschränkt ist. Man findet 9 kleine und 9 große Chromosomenpaare und eines, das unterschiedlich in Form und Größe ist. Dies sind die geschlechtsbildenden Chromosomen, man nennt die X- und y-Chromosom.

Wirkung von Genen

Gene wirken unterschiedlich zueinander. Folgende Begriffe sollte man kennen :

dominant & rezessiv ein dominantes (vorherrschendes) Gen unterdrückt oder überlagert die Auswirkung eines rezessiven (zurücktretenden) Gens. Nehmen wir das Beispiel für die Länge des Fells. Das Gen für kurzes Haar ist dominant, das Gen für langes Fell ist rezessiv. Wenn man ein langhaariges Tier mit einem kurzhaarigen Tier verpaart, sind alle Nachkommen kurzhaarig, weil das Kurzhaar-Gen die Auswirkung des Langhaar-Gens unterdrückt. Dominante Gene werden mit Großbuchstaben ausgedrückt, rezessive Gene mit Kleinbuchstaben.
Das bedeutet weiterhin, wenn wir die Auswirkung eines rezessiven Gens sehen können, dann muß das Tier dafür reinerbig sein !

homozygot & heterozygot Homozygot bedeutet reinerbig, heterozygot bedeutet mischerbig. Ein reinerbiges Tier besitzt gleichartige Chromosomen und Gene. Nehmen wir als Beispiel einen schwarzen Langhaarkater - er ist reinerbig für Einfarbigkeit (non-Agouti) und für langes Haar, denn beide Gene sind rezessiv.
Anders herum kann eine kurzhaarige black tabby Katze durchaus die Gene für langes Haar und non-Agouti tragen. Man sieht sich nicht, aber die Katze kann sie vererben. Daher ist es wichtig, sowohl den Phänotyp als auch den Genotyp einer Zuchtkatze zu kennen !

Phänotyp & Genotyp Phänotyp nennt man das äußere Erscheinungsbild einer Katze (also das, was man sieht), der Genotyp ist die Bezeichnung für das gesamte Erbgut der Katze (also das, was drin ist), egal ob man die Auswirkungen der vorhandenen Gene äußerlich sehen kann oder nicht.

Mutation die Mutation ist eine sprunghafte Veränderung im Erbgut, wahrscheinlich durch einen Fehler während des Kopiervorganges des betreffenden Gens. Durch Mutation entstanden einfarbige Tiere, verschiedene Fellfarben und Zeichnungen, sowie alle Merkmale, die sich von der wilden Katze unterscheiden. Mutationen kommen auch in der Natur vor, z.B. schwarze Leoparden (Panther) und weiße Löwen.

Poly-Gene Polygene sind Gene, die in Verbindung mit anderen Genen eine sehr unterschiedliche Merkmalsausprägung haben können ( wie hell oder dunkel ist die Fellfarbe, wieviel Silberanteil hat das Haar usw.). Daher gibt es immer wieder Schwankungen, die man züchterisch nur durch strenge Auslese beeinflussen kann ( beispielsweise immer die Katzen mit der dunkelsten Fellfarbe miteinander verpaaren, um ein tiefes blau zu erreichen).

Gen-Abkürzungen und ihre Bedeutungen

A

Agouti ( gezeichnet)

a

non-Agouti (einfarbig)

 

 

B

schwarz (nicht chocolate, also black, red usw.)

b

braun (chocolate)

bl

hellbraun (light chocolate)

C

normale Färbung

cs

Siamzeichnung

cb

Burma-Gen

D

dichte Pigmentierung (Vollfärbung)

d

schwache Pigmentierung (Verdünnung)

 

 

I

Silber

i

nicht Silber

 

 

L

kurzhaarig

l

Langhaarig

 

 

O

rot ( gelb)

o

nicht gelb

 

 

S

Scheckung (weiße Flecken)

s

nicht gescheckt (ohne weiß)

 

 

Ta

ticked Tabby (Abessinier)

T

mackerel Tabby

tb

classic (blotched) Tabby

W

weiß

w

nicht weiß

 

 

X

weibliches Gen

y

männliches Gen

 

 

Wie wendet man die Buchstaben nun an ?

Sie müssen zunächst noch wissen, daß wir nur die Buchstaben hinschreiben können, die wir auch wirklich bestimmen können. Können wir das nicht, machen wir einen Strich. Fangen wir einfach an, nehmen wir eine Britisch Kurzhaar-Katze der Farbe black classic tabby mit weiß.

> die Katze ist eine Tabbykatze, ob sie aber non-Agouti trägt, wissen wir nicht ( also schreiben wir A-)
> die Katze ist eine black tabby, also schwarz - ob sie chocolate oder cinnamon trägt, können wir nicht sehen ( B-)
> die Katze ist 'normal' gefärbt und hat keine Maskenzeichnung, aber wir wissen wieder nicht, ob sie diese Gene      trägt (C-)
> die Katze hat eine Vollfarbe ( D-)
> sie ist nicht silber ( i i )
> sie ist kurzhaarig ( L-)
> sie ist weiblich und nicht rot (oo)
> sie ist weiß gescheckt ( also ein S-)
> sie zeigt classic Tabby ( tb tb)
> sie ist nicht weiß (ww)
> sie ist weiblich ( XX)
das macht zusammen den Gencode : A- B- C- D- ii L- oo S- tb tb ww XX

Wenn wir mehr wissen wollen, müssen wir uns die Eltern der Katze ansehen. Nehmen wir an, der Vater war ein lilac white Kater und die Mutter eine seal tabby point Katze. Ebenso gehen wir davon aus, daß die Briten reinerbig sind, also alle kurzhaarig. Dann können wir den Gencode der Katze um einiges ergänzen :

Aa Bb Ccs Dd ii LL oo Ss tb tb ww XX

> a - der Vater ist ein non-Agouti und kann nichts anderes vererbt haben als ein 'a'
> b - der Vater ist nicht schwarz, sondern lilac
> cs - die Mutter ist eine Point-Katze und kann nichts anderes vererbt haben
> d - der Vater ist lilac, die verdünnte Form von chocolate
> L - alle Tiere sind reinerbig kurzhaarig
> s - die Mutter trägt keine weißen Abzeichen

Warum ist es so wichtig, das zu wissen ? Nun, um Überraschungen zu vermeiden, bzw. um ein Zuchtziel erreichen zu können. Mit dieser Katzen können Sie sehr viele Variationen erzielen, sofern Sie den richtigen Kater dazu aussuchen, da sie für 5 Gene mischerbig ist. Sie können sowohl einfarbige Tiere als auch Tabbys bekommen, sowohl schwarze ( rote, blaue) als auch chocolate farbene Katzen, Sie können Colourpoints bekommen und sowohl vollfarbige als auch verdünnt farbige Tiere, und das alles mit und ohne weiße Abzeichen ( wie gesagt - mit dem passend dazu ausgewählten Kater!). Hätten Sie eine solche Farbenvielfalt von einer 'einfachen' black tabby Katze erwartet ???

Warum auch einfarbige Katzen eigentlich Tabbys ( getigert ) sind

Alle Katzen sind genetisch Tabbys. Einige Gene unterdrücken oder maskieren diese Streifenzeichnung nur, mehr oder weniger gut. Daher kann man bei einigen einfarbigen Katzen eine schwache Zeichnung, die "Geisterzeichnung" sehen. Ob man optisch eine Streifenzeichnung sehen kann, hängt von den Genen 'A' und 'a' ab.
Das Gen 'A' bewirkt eine Bänderung des einzelnen Haares (1), dadurch entsteht eine Art Wildtier-Zeichnung, ähnlich wie beim Wildkaninchen. Agouti ist eine Tarnfarbe. Durch Mutation entstand das Gen 'a' (und alle anderen Variationen der Gene). Ist das Gen 'a' reinerbig vorhanden, unterdrückt es das Agouti (2).

Mögliche Genotypen :

AA

reinerbige Agouti-Katze

Aa

mischerbige Agouti-Katze, äußerlich von einer reinerbigen nicht zu unterscheiden

aa

reinerbige non-Agouti Katze ( aa verhindert die Merkmalsausprägung der Tabby-Gene TA,
T & tb nur bei schwarz, blau, chocolate und lilac, aber kaum bei rot und creme! )

Mögliche Tabbytypen :

ticked Tabby

mackerel Tabby

classic Tabby (gestromt)

spotted Tabby (getupft)

Mögliche Genotypen :

TA

reinerbiger Abessinier Tabby

TA T

Abessinier Tabby, mischerbig für Tigerung (zeigt wahrscheinlich
Streifen an den Beinen und Halsringe)

TA   Tb

Abessinier Tabby, mischerbig für Stromung (zeigt wahrscheinlich
Streifen an den Beinen und Halsringe)

T  T

reinerbig getigerte Katze (mackerel Tabby)

T  tb

getigerte Katze, mischerbig für Stromung (optisch nicht von TT zu unterscheiden)

tb tb

reinerbig gestromte Katze (classic/blotched Tabby)

sp

modifizierendes Gen für "spotted", kann sich wahrscheinlich mit allen Tabbyarten kombinieren

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>black - chocolate - lilac
> Siamzeichnung
> von black zu blue - das Verdnnungs-Gen
> Silber - das Inhibitor-Gen
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> geschlechtsgebundene Vererbung
> Weischeckung
> warum eine weie Katze eigentlich gar nicht wei ist